Die heilende Kraft der Vergebung

Die Tipping-Methode ermöglicht den Abschied vom Opferdasein

von Hina Fruh

Das Leben hält ständig Verletzungen für uns bereit: Einen „Anschiss“ vom Chef, eine unfaire Bemerkung vom Kollegen und zuhause einen Streit mit dem Partner. Schon solche Ereignisse können uns die gute Laune und den ganzen Tag vermiesen und oft genug geben wir Anderen die Schuld daran.

Aber was wäre, wenn diejenigen, die uns am meisten verletzen und wehtun, auf einer höheren Ebene unsere innigsten Freunde sind? Und wenn das so ist: Wie können wir dann unsere Beziehungsprobleme, unseren täglichen Ärger in Liebe und Mitgefühl transformieren?

Die Methode der „Radikalen Vergebung“ ermöglicht uns eine Abkehr vom allzu vertrauten Opfer-Gefühl: Was wäre, wenn alles, was uns im Leben widerfährt, einen Sinn hätte? Wenn unsere Widersacher für uns „heilende Engel“ sind, die uns in diesem Leben bei unseren Lernaufgaben unterstützen? Die Annahme, dass alles, was in unserem Leben geschieht, dem Wachstum unserer Seele dient, ist für Menschen, die schmerzhafte Erfahrungen gemacht haben, eine große Herausforderung. Diejenigen, die soviel Mut und Kraft aufbringen, diesen Gedanken zuzulassen, erleben mit der Tipping-Methode der Vergebung eine befreiende Veränderung. Dazu trägt bei, dass es nicht notwendig ist, an diesen radikalen Ansatz dieser Methode zu glauben. Auch ich bin oft nicht in der Lage, an einen „göttlichen Plan“ hinter der Not und Gewalt zu glauben, die täglich viele Menschen erfahren. Solange wir aber die Bereitschaft aufbringen, sogar in schmerzhaften Erfahrungen die Chance zu Wachstum und Heilung zu sehen, ist eine grundlegende Veränderung möglich: Der Abschied vom Opfer-Dasein.

So unbequem der Gedanke sein mag, dass unsere Probleme in uns selbst liegen und nicht im Außen zu suchen sind, so einfach und unterstützend ist die Arbeit mit der Tipping-Methode. Die Anwendung der „Werkzeuge“ der Radikalen Vergebung bedeutet nicht, dass wir danach von allen Sorgen befreit wären und das Problem nie wieder auftreten kann. Wir haben aber einen entscheidenden Schritt getan, der uns die Loslösung vom Opferbewusstsein ermöglicht.

Der Schlüssel liegt in unserer Bereitschaft, die Vollkommenheit anzunehmen – auch wenn wir sie (noch) nicht sehen können. Dieses „so tun als ob“ entlastet uns auch von dem Druck, alles verstehen zu müssen und bringt uns gleichzeitig auf den Weg.